Der Liebe Scharm

 

Music and Texts of  GARY BACHLUND

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Der Liebe Scharm - (1994)

German translation by Annette Zühlke

Original libretto by Gary Bachlund & Deborah Shulman
After a story by Hans Christian Andersen

 

 

For baritone (Prinz), mezzo soprano (Prinzessin), high baritone (Valet), character tenor (Bürgermeister),

bass (Sir Wichtig), soprano (Lady Schwatzmaul), lyric tenor (Schäfer), and lyric soprano (Schäferin)

and chamber ensemble [ circa 45 minutes ]


i.   Präludium und fuge [Instrumental only]

ii.  Endlich allein!

Prinz:

Endlich allein!


Prinzessin:

Mein Prinz!


Prinz:

Mein Prinzess'chen!


Prinzessin:

Mein charmanter Prinz Scharm!


Prinz:

Oh, mein Prinzess'chen Schönheit!


Prinzessin:

Mein's Herzens Lust!


Prinz:

Der Liebe Glut!


Zusammen:

Niemals wieder werden wir so glücklich sein wie heut'!

iii.  Ein Liebesduett

Prinzessin:

Oh, Liebe.


Prinz:

Süße Lieb'.


Prinzessin:

Brennende Lieb' wie Tristan und Juliette.


Prinz:

Nein! Nein! Tristan und Isolde!


Prinzessin:

Oh? Sagen verblassen bei uns'rer Lieb'.


Prinz:

Glorreiche Lieb' wie Lancelot und Cleopatra.


Prinzessin:

Lancelot und Genevieve!


Prinz:

Nichts ist wie unsere unentrinnbare Lieb'.


Prinzessin:

Unersetzbare Lieb'.


Prinz:

Unerklärbare Lieb'.


Prinzessin:

Ja, doch wirst du mich lieben auch nach der Blütezeit?

Willst du mich auch noch, wenn ich dann Falten hab'?

Wird die Liebe erkalten?
 

Prinz:

Liebling...


Prinzessin:

Ich weiß es nicht!

Werde ich einsam sein?

Leben allein ohne Sinn und Verstand?


Prinz:

Das wird nie sein! Es ist die große Liebe.


Prinzessin:

Holde Liebe.


Prinz:

Feurige Lieb' wie Venus und Abelard!


Prinzessin:

Nein! Venus und Adonis!


Prinz:

Wirklich? Sagen sind schal gegen unsere Lieb'.


Prinzessin:

Ewige Lieb' wie Pelléas und Cloe!


Prinz:

Schatz! Daphnis liebte Cloe!


Prinzessin:

Wie du meinst!

Doch nichts ist mehr als unteilbare Lieb'.
 

Prinz:

Unzerbrechbare Lieb'.


Prinzessin:

Unfehlbare Lieb'.


Prinz:

Ja, aber wirst du mich lieben,

wenn ich dann alt und grau?


Prinzessin:

Liebster...


Prinz:

Willst du mich auch noch,

wenn ich gebrechlich bin?

Hat dann Ehe Sinn?


Prinzessin:

Gemahl!


Prinz:

Ich weiß es nicht! Bin ich dann einsam? Leben allein macht mir die größte Angst!


Prinzessin:

Das wird nie sein.


Prinz:

Nein?


Prinzessin:

Hoffentlich nicht.


Prinz:

Was meinst du mit: hoffentlich nicht.


Prinzessin:

Und was meinst du mit: was meine ich?


Prinz:

Nun? Was soll denn das heißen?


Prinzessin:

Du hast das doch gesagt!


Prinz:

Gesagt?


Prinzessin:

Du hast es gesagt!


Prinz:

Und was meinst du damit?


Prinzessin:

Süßer!


Prinz:

Zuckerpüppchen!


Prinzessin:

Liebling! Große Liebe!


Zusammen:

Süße Liebe!


Prinzessin:

Brennende Liebe wie Tristan und Isolde!


Prinz:

Liebste!

Charmant und so schön!


Prinzessin:

Mein Prinz Scharm!


Prinz:

Prinzess' Schönheit!


Zusammen:

Wir, Mann und Frau eben, zusammen für's Leben.

Doch wirst du mich lieben,
sollt es mal Ärger geben?


Prinzessin:

Ärger geben?


Prinz:

Ärger geben?


Prinzessin:

...geben?


Prinz:

...geben?


Prinzessin:

...für's Leben?


Prinz:

...für's Leben?


Zusammen:

Leben!


Prinz:

Frau?


Prinzessin:

Mann?


Zusammen:

Höchste Liebe!


[ Prinz und Prinzessin küssen sich. „Freeze". Valet tritt ein. ]

iv.  Eine Unterbrechnung

Valet:

Champagner für alle! Für das junge Paar!


[ Prinz und Prinzessin küssen sich weiter. ]


Stoppt nicht! Ja nicht wegen mir! Ich seh' gar nichts!
Ich tu' nur, was ich muß.
Fühl' ich es nur?
Oder ist es hier so heiß? Hm!


Prinzessin:

Champagner!


Prinz:

Champagner!


Prinzessin:

Oh, wie aufmerksam!


Valet:

Es ist mir eine Ehre!


Zusammen:

Champagner! Champagner!


Prinzessin:

S'ist klar! Champagner ist höchster Genuß!


Prinz:

Eine Freud' ohn' Verdruß!


Valet:

Für den Anfang Champagner!


Zusammen:

Champagner!


Prinz/Prinzessin:
Einen Toast auf die Liebe,

die Hochzeit, die Nachtzeit,

ein Prost, ein'n Toast! Champagner!


Valet:

Jeder Untertan feiert Eure Vermählung!
Und mit solch' einem Segen, da wird es doch sicher nie, nie Ärger geben.


Prinz:

...geben?


Prinzessin:

Ärger geben?


Prinz:

Ärger geben?


Prinzessin:

...geben?


Prinz:

...geben?


Prinzessin:

...für's Leben?


Prinz:

...für's Leben?


Zusammen:

Leben!


Valet:

Habe ich was gesagt?


Prinz:

Frau?


Prinzessin:

Mann?


Valet:

Damit kam ich herein?


Zusammen:

Champagner!


v.  Die Pläne

Prinz:

Nein! Nein, erforschen wir erst das Geheimnis wahren Glücks!
Sonst leben wir in Zweifeln nur.


Prinzessin:

Ja, finden wir einen Weisen, Seher und ein Orakel, das und geheime Wahrheit sagt.


Valet:

Die Liebe ist ein Geheimnis, sie kommt ohne Garantie.


Prinz:

Es muß sein!


Prinzessin:

Nun, Schatz! Also zahlen wir...


Valet:

(zahlen?)
Prinzessin: ...für den Weisen und den Unterricht!


Valet:

(zahlen?)


Prinzessin:

Doch die Investition ist es wert.


Valet:

(Geld hat besond're Kraft, um Geheimnisse zu verklären.)


Prinzessin:

Ja!


Prinz/Prinzessin:
Kaufen wir Erkenntnis wahrer Lieb' und Leidenschaft, die nie vergehen wird.
Wer lehrt uns das? Verpflichten wir 'nen weisen Mann. Er gibt Rat... guten Rat.


Prinz:

Ich bezahle diesem weisen Mann einen stolzen Preis.

Einen stolzen, stolzen Preis für's Geheimnis wirklich wahrer Liebe,

die zwei Seelen eint, Gedanken verbindet, die Herzen vereint.

Ja ich bezahle diesem weisen Mann...


Valet:

(Er bezahlt gut, sehr gut! Das ist gut, ja, sehr, sehr gut für mich.

Und das ist meine Gelegenheit.)
Ich kenn' diesen Mann. Den richtigen Mann!

Er ist Künstler, ja! Sie werden mir zustimmen.

So ein magischer, mystischer, herrlicher Mann!

Er weissagt, wie's kein Priester und Scharlatan kann.

Er ist magisch und mystisch und phantastisch,

ein Wundermann.
Wie bald wollen Sie ihn sehen?


Prinz:

Unverzüglich! Wenn nicht früher!


Valet:

Sir! (Geld hat besond're Kraft zu...)


Prinz:

[zur Prinzessin]

Gut, Schatz! Nun bekommen wir weisen, wundervollen Unterricht!

Ratschlag, wert eines Prinzens Preis!


Prinzessin:

Mein Prinz!


Prinz:

Mein Prinzess!


Prinzessin:

Lieber Prinz Scharm.


Zusammen:

Mein Herz!

vi.  Der wiese Mann erscheint

Valet:

Braucht hier irgendwer einen Weisen?
Dann bin nur ich der Mann für Sie!

Ich bin ein sehr weiser Mann!

Ja, der weiseste der Weisen bin ich!

Wenn jemand einen weisen Mann braucht,

bin ich der Erste, den man rufen muß. Bewundern

Sie meine Weisheit, wie ich Probleme, ob klein, ob groß,

auf's Beste für Sie lösen kann!

Ich erforsche und organisiere Ihren Standpunkt neu!

Braucht jemand den „Beweise"-Mann?

Wenn ja, wie gut! Ich kläre auf und entwickle einen Plan!

Ich Gewinn den Preis des weisesten Manns!

Bin spezialisiert auf jegliches Problem zwischen Mann und Frau.

Ich minimalisiere Zweifel, welche führ'n zu Ehestreit.

Dagegen rate ich zu Heiterkeit. Jeder braucht so 'nen weisen Mann!

Das ist der Clou, ohne Tabu! Erfragt Rat vom weisen Mann.

Ich gewinn' den Preis des weisesten Manns!

Da hier ein jeder 'nen weisen Mann braucht,

so bin ich der Richt'ge, dem man rufen muß!

vii.   Die Beschwörung des Scharms

Valet:

Kommt! Kommt! Ich will die Gedanken lesen!

Also! Ah! Und nun die kritische Frage:

Wird die Liebe ein Leben lang dauern?

Natürlich sie wird, wenn... wenn... wenn Ihr den Scharm entdeckt, der Liebe Scharm.

Wo findet Ihr das Amulett? Den Talisman ewiger Liebe?

Sucht erst innerhalb des Zirkels der Familie,

denn im Familientum liegt sein Heiligtum.

Umgeben von Familienliebe, da liegt er, der Gewinn, im Verborg'nen drin.

Ihr erkennt ihn an den vielen Farben.

Obwohl er verborgen ist, wird er klar!

Sucht ihn sehr, sehr ernsthaft! Sehr ernsthaft!


Prinz/Prinzessin:
Laß uns eine spezielle Familie...


Valet:

Farben!


Prinz/Prinzessin:
... suchen, denn im Familientum liegt sein Heiligtum.


Valet:

Schöne Farben!


Prinz/Prinzessin:
Umgeben von Familienliebe...


Valet:

Und deshalb sucht ihn ernsthaft.


Prinz/Prinzessin:
... da liegt er, der Gewinn, im Verborg'nen drin.


Valet:

Er wird Euch ganz klar.


Prinz/Prinzessin:
Wir erkennen ihn an vielen Farben.


Valet:

Farben.


Prinz/Prinzessin:
Obwohl er verborgen ist, wird er klar.


Valet:

Ja! Ganz klar! Wie ich seh', findet Ihr den Scharm der Liebe hier im Raum.

Er ist zwar öffentlich, doch dafür förderlich, so nah in Zeit und Raum.

Hier, gibt's nichts mehr zu tun für mich für heut', Ihr Leut'.

Der Scharm wird siegen , Ihr Lieben, noch heut...

Farben. Hm. Hm!

viii.   Die Besuche

Prinzessin:

Liebling, was meinst du... hm.
Glaubst du, wir verwenden das Geld auch weise?


Prinz:

Natürlich, Schatz! Denn wir sprechen wirklich von dem weisesten Mann!


Prinzessin:

Dann, umso mehr...


Prinz:

Sieh her, Schönheit!

Valet ist bei mir genau drei Wochen lang.
Er ist loyal, wie ein Diener es ein kann mein Valet uns sagt,

dieser Weise ist ein magischer, mystischer und wunderbarer Mann,

gut, dann ist das gut für mich.


Valet:

Ah, Hoheit, Prinz! Der Bürgermeister will die Schlüssel Eurer Stadt überreichen.


Prinz:

Laß ihn herein.


Valet:

Der Bürgermeister der Stadt!


Bürgermeister:

Königliche Hoheiten!

Wir feiern Eure Hochzeit und bringen Euch die Schlüssel der Tore der Stadt. Königliche Hoheiten,

vermehrt Wohlstand und Freude in unserem Staat und zum Wohle der Krone!

Mit Vergnügen und Stolz präsentiere ich Euch die Schlüssel uns'rer Stadt.

Ich spreche für die Untertanen, wenn ich sag:

Ich wünsche Euch immer alles Glück dieser Welt.


Prinz:

Herr! Moment, bitte! Sind Sie verheiratet?


Bürgermeister:

Sicher. Nun im dreißigsten Jahr.


Prinz:

Dreißig Jahr'?


Bürgermeister:

Dreißig Jahr'!


Prinz:

Dreißig Jahr'! Dann, für wahr, haben Sie die Antwort zu dem wahren Glück.
 

Bürgermeister:

Ah! lebenslanges Glück.

Doch... Was ist wahres Glück an sich?

Wie messen wir das Glück in einem Abschnitt uns'rer Zeit?

Wie setzen wir den Wert, ob es gewöhnlich oder weit?

Obwohl ich den glücklichen Mann spielte, schwer ist die Last, die ich trag'!

Die Verzweiflung meiner Frau!

Das Schicksal hat ein schlechtes Spiel gespielt, denn es gab uns keinen Erben, trotz inniger Gebete.

Also, spiele ich ha-ha-ha-ha- Heiterkeit.


[ Der Bürgermeister geht eilig ab. Valet läßt einen Ritter und seine Frau vor. ]
 

Valet:

Sir, ich präsentier' Sir Wichtig und Lady Schwatzmaul.
 

Sir Wichtig:

Königli...


Lady Schwatzmaul:

Königliche Hoheiten!
 

Sir Wichtig:

Wir...
 

Lady Schwatzmaul:

Königliche Hoheiten...
 

Sir Wichtig:

Schatz!
 

Lady Schwatzmaul:

... erleuchtet uns, vermehrt Wohlstand, Heiterkeit in Eurem so herrlichen Reich.
 

Sir Wichtig:

Schatz! Ich will auch etwas sagen!


Lady Schwatzmaul:

Gut.


Sir Wichtig:  

Ähm...


Lady Schwatzmaul:

Und?


Sir Wichtig:  

Ihre Hoheit... äh... Oh, Schatz!


Lady Schwatzmaul:

S'ist nur seine Hohlheit. Königliche Hoheiten, wir ehren Eure Hochzeit und...


Sir Wichtig:  

Die Hochzeit!


Lady Schwatzmaul:

... bringen Geschenke...


Sir Wichtig:  

So ist's!


Lady Schwatzmaul:

... als Zeichen der Liebe!


Sir Wichtig:  

Als Zeichen der Liebe!


Lady Schwatzmaul:

...uns'rer Lieb'! Der Lieb!

(Sehr gut gesagt.)


Sir Wichtig:  

(Danke.)


Prinzessin:

Liebling, was denkst Glaubst du... (hm) Stellen wir die Frage?


Prinz:  

Vielleicht, mein Schatz!


Prinzessin:

Mein Prinz findet die Antwort.


Prinz:

Dein Prinz stellt die Frage. Mein Herr, Lady, sind sie lang' Mann und Frau?


Lady Schwatzmaul:

Zwanzig Jahr'!


Prinz:

Zwanzig Jahr?


Sir Wichtig:

Zwanzig Jahr'.


Prinzessin:

Dann, für wahr, kennen sie die Antwort zu dem wahren Glück?


Sir Wichtig:

(Zwanzig Jahr'? Wirklich?)


Prinz:

Haben Sie auch Kinder?


Sir Wichtig:

(Zwanzig Jahr'...)


Lady Schwatzmaul:

Kinder? Oh, ja! Viele Kinder!

Eins in jedem Jahr des Eheglücks.


Prinz:

Das ist die ungewöhnlichste Geschichte,

nehm' ich an, und lang verheiratet sein, zeigt, daß Liebe halten kann.

Wenn man so fruchtbar ist wie Sie, dann müssen Sie gesteh'n,

Sie fanden das Geheimnis für ein dauerhaftes Glück.

Sind es Kinder?


Prinzessin:

Kinder?


Prinz:

Sagt's uns bitte.


Prinzessin:

Bitte.

ix. Der Rat der Lady

Lady Schwatzmaul:

Ich will nicht unhöflich sein, Sir,

doch wissen Sie überhaupt, was es heißt zu waschen?

Für zwanzig Kinder die Wäsche zu waschen?

Zwanzig dieser kleinen Blusen und Röcke und Strümpf' für den Tanz,

und die Hemden und Hosen am Knie nicht mehr ganz.

Die Nachtkleider, Ballkleider, vererbten Kleider, ach! Kleider!
Und können Sie sich denken, was zwanzig Kinder so essen?

Frühstück schon ist eine riesen Affair'!

Mager der Rest, nach Belagerung, Plünderung,

wenn in der Küche das bleibt, was wir stellten daher!

Das Regal ist dann leer! Wie unfair!
Nachtzeit (Strahlt-der Sternen-Pracht-Zeit) kann nie zu früh kommen für mich.

Schlafzeit! Endlich sind sie brav! Zeit!

Befreit endlich von dem Aufruhr und dem Lärm,

wie ein Ozean bei Sturmflut!
Seid Ihr bereit, die Privatsphäre für die Kinder zu opfern?

Denkt, bevor es anfängt, was an Kindern hängt.

Süße, kleine Babys sind's, was einengt.
Schlagt Ihr vor, Eure Ruhe allein für die Kinder zu opfern?

Ruhe und Friede fliehen, wenn Kinderspiel kommt in Schwung.

Welche Ernüchterung! Beim Morgenkaffe, wenn wir noch träumen,

brüllen die Unruhestifter herum in dem grausamsten Geschrei!

Ach, völlig grundlos können sie heulen,

und die Hölle bricht los, sobald sie uns rufen als die Polizei!

„Er schlug mich vorher!" „Und sie schlug mich mehr!"

Ringel, Ringel Scherzchen! Was sind Kinder Herzchen?
Ihr meint es nicht ernst, Euer Leben für die Kinder zu opfern!

Eltern sein, das heißt leiden, man kann's nicht vermeiden.

Gewiß kann man's nicht als Laune verkleiden.
Kleine Kinder hab'n Windeln, und Windeln beinhalten scheußliches Zeug!

Dies alles zu schildern, nun das ist nicht fein,

doch wie schafft das alles ein Baby, so klein?

Bald schon geh'n die Kleinen auf das Töpfchen und so dachten wir,

daß das Ende nun bald nahe sei, doch Unfälle passieren noch allerlei,

wenn sie schrei'n „Mami" ist's noch lang nicht vorbei!
Ihr müßt vorsichtig sein, Eur' Leben für die Kinder zu opfern!

All' die Stunden der Wäsche. Ewig feuchte Nässe!

Tägliche Routine sträfliche Last.

Mein Rat: Seid schlau und seht genau:

Denkt ans Essen, Wäsche, all' das Gezank,

Geschrei, Gebrüll, Partygestank.

Laßt die Vorsicht wachen, Sehnsucht nicht erwachen.

So stehen die Sachen.
(Ich sag' gar nichts von den Teenagern!)

x.   Weiter

Lady Schwatzmaul:

Nun, Hoheiten, mein Mann und ich wünschen Ihnen viel Glück! Großes Glück!


Sir Wichtig:

K-k-komm, Schatz. Die Kinderchen warten.


[ Sir Wichtig zeiht Lady Schatzmaul von der Bühne ]


Valet:

Nicht einen Moment zu früh! Weiter!


[ Ein Schäfer und eine Schäferin treten auf. ]


Schäfer/Schäferin:
Ihr Hoheiten, unser Geschenk! Von der Ernte von unserm Heim. Schlicht ist das Geschenk.


Prinzessin:

Uns rührt das Geschenk, denn eur' Leben ist so hart, glückliche Zeit so kurz.


Prinz:

So kurz.


Schäfer/Schäferin:
Herrin, nein! Uns'r Leben ist voll Liebe.


Prinz:

Habt ihr denn Kinder?


Schäfer/Schäferin:
Die Kinder werden morgen sein; die Liebe ist schon heut'.


Prinzessin:

Erzählt von dieser Liebe.


Schäfer/Schäferin:
Spaß, Wunder, Herzlichkeit sind Farben der Liebe.


Valet:

(Farben! Bitte!)

xi.   Farben

Schäfer/Schäferin:
In Liebe plagen wir uns, erfreu'n wir uns.

Hell strahlen Bilder unvergleichlicher Liebe.

Aus jungem Grün des Frühlings und platinhellem Schnee,

aus jedem Gelb und Rot und Azurblau des Regenbogenspektrums

bauten wir die Liebe, lebenslange Liebe.

Aus Gold des Sonnenuntergangs,

aus karminrotem Zimt und aus den pink und blau gefärbten Wolken

untergeh'nden Sonnenscheins nähren wir die Liebe, unschätzbare Liebe.

In Liebe gehen wir vereint durch amethystes Zwielicht und Mondschein silberweiß;

gekrönt von Myriaden von glitzernd diamant'nen Sternen in tiefschwarzer Nacht.

Zeiten des Genuß, heilig durch den Kuß.

Und glutrot brennt das Feuer heißer Liebe.

Wenn die Schatten flieh'n am Morgen leuchtet sie im Glanz.

In ihr erglüht das weiche Kerzenlicht in hellem mauve und indigo.

In diesen Bildern spiegeln sich die Farben der Liebe.

xii.  Lektion gelernt

Prinzessin:

Das war vorhergesagt.

Das ist das Amulett, der Liebe Scharm,

zwar nicht zu sehen und doch sichtbar zwischen Mann und Frau.


Prinz:

War's uns bewußt? War`s uns denn nicht schon ganz klar?

In uns selbst bewußt. Hab'ns wir gewußt.
[ zu Valet ]
Wir brauchten nie den weisen, weisen Mann.

Nicht den weisesten der weisen Männer!


Valet:

Oh, oh!


Prinz:

Valet! „Lieber" Valet.


[ Er erkennt, daß er durchschaut ist. ]


Valet:

Mein Herr, ich meint's nicht bös' mit Euch,

doch was sollt ich denn also tun?

Die Hochkeit war guter Anfang,

doch morgen wär' Streit dann in Gang!

Aus königlichem Gefolge konnt' ein jeder sie erkennen:

Die Angst vor Ehestreit.

Und nun gibt's kein Unglück für Euch,

denn dank der Lektion dieser zwei habt Ihr gelernt,

wie wahre Liebe durch die Weisheit Euch erstrahlt!

Vielleicht sollt' ich nun geh'n,

und Euch Revue passieren lassen dieses Glück der Zweisamkeit!

Und meinen Glückwunsch, Herr!


[ Valet will gehen. ]


Prinz:

Nicht so schnell!


Valet:  

Oh, oh!


Prinz:

Valet!


Valet:

Muß ich das Gold zurückgeb'n?


Prinz:

Ganz im Gegenteil, du behältst das Gold: als Vorauszahlung für Hausarbeit.

Hier gibt's noch sehr viel Arbeit! Arbeit für Jahre.


Valet:  

Nun, ich hasse zu fragen: An was habt Ihr gedacht?


Prinzessin:

Ein Burggraben...


Valet:  

Das mir, mit dem Rücken!

Und wenn ich Zugeständnisse mache?

Und wenn ich das Geld gut ausgebe?

Würde mir vergeb'n?


Prinz:

Und wie?


Prinzessin:

Ja, und wie?


Valet:  

Ratschlag, wert eines Prinzen Preis.


[ Valet überreicht halbherzig den Beutel mit dem Gold dem Schäfer und der Schäferin. ]


Valet:  

Ist mir nun vergeb'n? Bitte?


Prinz:

Valet. Wieder eingestellt! Champagner!


Prinzessin:

Champagner!


Valet:  

Champagner? Herr!


[ Valet geht schnell ab. ]


Schäfer/Schäferin:
Habt Dank.


Prinzessin:

Oh, nein! der Dank ist an uns.


Prinz:

Habt Dank.


Prinzessin:

Habt Dank.


Schäfer/Schäferin:
Wir geh'n zusammen in Liebe...


Prinz/Prinzessin/Schäfer/Schäferin:
... miteinander in Liebe, in Mondschein silberweiß;

gekrönt von Myriaden von glitzernd, diamant'nen Sternen in tiefschwarzer Nacht.

Zeiten des Genuß, heilig durch den Kuß.

Und glutrot brennt das Feuer uns'rer Liebe.

Wenn die Schatten flieh'n am Morgen, erleuchtet heller Glanz,

erglüh'n wie helle Kerzen wir in Liebe und in süßer Ruh'.

So wird die Liebe glüh'n in allen Farben der Liebe.

Uns'rer Liebe.


Valet:

Champagner für uns alle hier!

Annette Zühlke, Dezember 1996

 

Copyright © 1996 by Annette Zühlke and Gary Bachlund